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Kein Einzelfall: Antisemitischer Eklat bei linksradikaler Demonstration gegen Faschismus in Gießen

Pressemitteilung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e. V. (Arbeitsgemeinschaft Gießen) vom 16.02.2020

Bei der überwiegend von linksradikalen Gruppierungen getragenen Demonstration gegen „Faschismus, Armut, Krieg und Krise“, die am Samstag, den 15.02.2020, in Gießen stattfand, ereignete sich ein antisemitischer Eklat. Dies berichten verschiedene Teilnehmer der Demonstration in übereinstimmenden Meldungen unter dem Hashtag „#gi1502“ über den Kurznachrichtendienst „Twitter“. Demnach war in einem Redebeitrag der „Kommunistischen Organisation“, die auch in Gießen tätig ist, davon die Rede, bei den Novemberpogromen von 1938 habe es sich vor allem um eine „Inszenierung“ der Eliten gehandelt, während die deutsche Bevölkerung angeblich dagegen eingestellt gewesen sei.

Joachim Fontana vom Vorstand der Gießener DIG erklärt hierzu: „Die sogenannte Reichspogromnacht wurde bei dieser Demonstration auf unerträgliche Weise verharmlost, die tausendfachen Opfer wurden verhöhnt und die deutsche Geschichte sollte auf eine Art umgedeutet werden, die in Gestalt des Geschichtsrevisionismus der extremen Rechten nur allzu bekannt ist.“ Bezeichnend sei, dass die Veranstalter des Demonstrationszuges es während der Veranstaltung offenbar nicht nötig hatten, sich von diesen Äußerungen zu distanzieren, so Fontana. Vielmehr habe erst eine antifaschistische Gruppe aus dem Raum Koblenz, deren Mitglieder an der Demo teilgenommen hätten, über die sozialen Netzwerke auf den Vorfall aufmerksam gemacht und diesen zu skandalisieren versucht.

„Leider ist weder dieses Vorkommnis noch die ausbleibende Distanzierung der Veranstalter ein Einzelfall in Gießen“, kommentiert Randi Becker, die ebenfalls Vorstandmitglied der DIG Gießen ist. Becker erinnert in diesem Zusammenhang an die antisemitischen Äußerungen eines DKP-Abgeordneten im Gießener Stadtparlament, von der sich die Fraktionsgemeinschaft der Linken bis zum heutigen Tage nicht distanziert habe. Des Weiteren verweist sie auf eine vor kurzem in Gießen erfolgte Veranstaltung mit dem für seine ungemein aggressiven Positionen gegenüber dem israelischen Staat bekannten Journalisten und Befürworters der antisemitischen Boykott-Kampagne BDS namens Kerem Schamberger. Eingeladen hatte die „Antifaschistische Revolutionäre Aktion Gießen“, die auch zu den wichtigsten Organisatoren der Gießener Demonstration vom 15.02.2020 zählt. 

„Die Geschichte des Antisemitismus in der bundesrepublikanischen Linken ist sehr lang“, ergänzt Joachim Fontana, erst vor wenigen Tagen habe sich ein antisemitischer Brandanschlag auf ein Seniorenheim der jüdischen Gemeinde in München zum 50. Mal gejährt, dem 1970 sieben Menschen zum Opfer gefallen waren. Auch für die Universitätsstadt an der Lahn ließen sich sehr viele Beispiele anführen. Doch leider sei die Bereitschaft der linken Szene in Gießen bislang sehr gering, sich mit Antisemitismus in den eigenen Reihen auseinanderzusetzen.

„Einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Antisemitismus stehen leider die in manchen linken Gruppen verbreiteten einfachen und schwarz-weiß gezeichneten Weltbilder entgegen“, so Randi Becker. „Das gute Volk und die bösen Eliten, die guten nationalen Befreiungsbewegungen und der böse Imperialismus, der brave Arbeiter und die hinterlistigen Strippenzieher des Finanzkapitals − mit solch kruden Bildern lassen sich Demokratie und Rechtsstaat nicht gegen menschenfeindliche Ideologien und politische Bewegungen, die ihnen anhängen, verteidigen. Im Gegenteil: Sie sind selbst Teil der Bedrohung“, äußert sich Vorstandsmitglied Fontana abschließend.

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